Skandalisierende Medien

Lieber Paria unter Historikern, als unter NS-Relativierungsverdacht bei der Mehrheit der Nicht-Historiker? Wer die Wahl hat…

Liebe Leser,

nach den Veröffentlichungen um den 22.02.2017 herum erreichten mich viele Nachrichten und Nachfragen. Erfreulicherweise waren die meisten positiv, oft solidarisch. Viele hatten auch bereits die anderen Rezensionen der ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet gelesen. Es drängte sich stellenweise der Eindruck auf, als seien solche Situationen in universitärem Umfeld nicht so selten, wie ich wähnte.

Hier einige Beispiele, die aktualisiert werden:

19.04.2017 Dr. jur. Jochen Zenthöfer in der FAZ

„[…] Bewertungen unterliegen der Meinungsfreiheit, falsche Tatsachenbehauptungen müssen korrigiert werden. Um diese Unterscheidung geht es auch im Fall einer Rezension von Sören Flachowsky. […] Dabei schrieb er: Bei der Betrachtung der Abteilungen von August Hirt und Sigmund Rascher verzichtet Reitzenstein mit Blick auf die Forschungslage auf eine eigene Darstellung der Verbrechen, was aber angebracht gewesen wäre.“ Da der Satz so verstanden werden konnte, der Autor habe Verbrechen von NS-Forschern unterschlagen, sah Reitzenstein seinen Ruf als Wissenschaftler in Gefahr. Auf seinen Antrag hin untersagte das Landgericht Hamburg diese Äußerung am 27.07.2016, weil sie falsch sei.

Flachowsky hätte sich mit einem Widerspruch dagegen wehren können, was er aber, wie er dieser Zeitung sagte, aus Kosten- und Zeitgründen nicht getan hat. (1) Flachowsky sagt heute: „Der vom Gericht kritisierte Satz war misslich formuliert, wurde aber meines Erachtens durch die sich gleich daran anschließenden Ausführungen in meiner Rezension relativiert.“ Heute würde er diesen Satz anders formulieren. Reitzenstein hatte sich zunächst mit einer ausführlichen e-mail an den Rezensenten gewandt und um Korrektur dieses und zehn weiterer Punkte gebeten. Das Schreiben enthielt mit dem Verweis auf laufende Fristen die Androhung juristischer Schritte, die dann auch bereits zwei Wochen nach Erscheinen der Rezension erfolgten.(2) […]

Reitzenstein bekräftigt gegenüber dieser Zeitung, dass er den Dialog gewollt habe. Von der Möglichkeit, an einem anderen Ort eine Replik zu publizieren, wollte er allerdings keinen Gebrauch machen. Nachdem Flachowsky die Einstweilige Verfügung akzeptiert hatte, wurde der Text der Rezension bereinigt. Im November bekam Flachowsky, der die Angelegenheit für abgeschlossen hielt, erneut Post von Reitzensteins Anwalt. Er wurde mit neuen Unterlassungserklärungen konfrontiert, die meinungsförmige Aussagen der Rezension betrafen. In der Sache ging es um die Frage, ob einer der SS-Forschungsmanager Menschenversuche angeordnet hat. (3) […]

Nachdem diese Zeitung am 22.02.2017 über diesen Fall berichtete hatte, teilte uns Rüdiger Hohls, Professor an der Berliner Humboldt-Universität und Koordinator der Redaktion, seine Ansicht mit, dass es sich bei dem „verbotenen Halbsatz“ tatsächlich um eine „nicht zutreffende Tatsachenbehauptung handelt.“ […] Vor dem Hintergrund dieser Bewertung ist nicht nachvollziehbar, wie Hohls und sein Redaktionskollege Michael Wildt in ihrer eigenen Rezension zu Reitzenstein, die den bei H-Soz-Kult gelöschten Text von Flachowsky ersetzt und zudem über weite Strecken paraphrasiert, am Ende schreiben können: „Nach unserer Einschätzung entbehrt Reitzensteins gerichtliches Vorgehen gegen den Rezensenten jeder wissenschaftlichen Grundlage.“ (4) […]“

(1) Wenn wirklich keine Verbrechen im Buch geschildert worden seien, hätte ich auch die Rechtsanwälte von Herrn Flachowsky zahlen müssen.

(2) Die Rezension erschien am 14.06.2016. Die Einstweilige Verfügung rund fünf Wochen später. Bis dahin wäre die falsche Tatsachenbehauptung ohne Kosten für den Rezensenten korrigierbar gewesen. In meiner Mail drohte ich zudem keine juristischen Schritte an. Vielmehr wies ich darauf hin, dass für mich Fristen laufen, die Sache zu bereinigen. Vielleicht übersah der Autor, dass ich nicht pauschal Änderungen verlangt habe. Änderungen wurden einzig für jene drei Punkte erbeten, die „unwahr und gleichzeitig erverletztend“ waren. Darum geht es, wenn der Autor Dr. Zenthöfer schreibt: „Bewertungen unterliegen der Meinungsfreiheit, falsche Tatsachenbehauptungen müssen korrigiert werden.“ Für alle anderen Punkte bat ich in der Mail ausdrücklich um Dialog. Schließlich muss man doch verstehen, wie jemand zu falschen Schlüssen gekommen ist, bevor man etwas verlangt oder ihn gar in einer Replik dafür kritisiert.

(3) Meinungen kann man rechtlich nicht untersagen lassen. Wenn man das versucht, verliert man das Verfahren und muss zahlen. Daher wäre es ebenso aussichtslos, wie teuer, meinungsförmige Aussagen anzugehen. Das weiß ich, das wissen die Fachanwälte für Äußerungsrecht und das weiß das Gericht.

(4) Damit dürften sich jene bestätigt fühlen, die mir seit acht Wochen Fragen stellen, ob es sich tatsächlich um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung handele. Offenbar stecke da etwas anderes dahinter und offenbar würde mit zweierlei Maß gemessen.

Es ist journalistischer Standard, dass man ergebnisoffen rechercheriert, die Beteiligten um Stellungnahmen bittet und bestimmte Dinge autorisieren lässt. All dies haben einzig Dr. Jochen Zenthöfer von der FAZ und Marc Reichwein von der WELT getan. Alle anderen, teils empörten, teils hysterischen „Publizisten“ setzten sich einzig mit der angeblichen Einschränkung von Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit auseinander, die nur eine Seite gezielt verbreitete. Es geschah sogar, dass Autoren die Meinung einer Seite publizierten, ohne mich – wie es Standard ist – zu meiner Sicht oder Fakten befragten.

Wenn der eigene Artikel dann noch skandalisierend über Twitter gepusht wird mit der Falschbehauptung, ich sei klageweise gegen „Meinungent“ vorgegangen, ist das schon merkwürdig. Der ausgewogene Artikel von Herrn Dr. Zenthöfer – auf dem hohen journalistischen Standard, der das Feuilleton der FAZ auch bei der Recherche auszeichnet – hält unmissverständlich fest, dass es bei Gericht eben nicht um eine Meinung gegangen sei oder ein „fachliches Urteil“, sondern um eine falsche Tatsachenbehauptung, die korrigiert werden muss. Denn der sachliche Jurist weiß, dass es qua Grundgesetz schlicht rechtlich unmöglich ist, gegen Meinungen zu klagen. Gerade dieser – in vielerlei Hinsicht für mich nicht schmeichelhafte, aber doch faire – Artikel zeigt, dass es vielen Akteuren offenbar weniger um Tatsachen und Verfassungswirklichkeit geht, sondern über 140 Zeichen auf Twitter eine möglichst große Aufmerksamkeit Dritter zu erlangen.

Es mag sich nun also jeder selbst ein Bild machen, inwieweit es bei diesem „Fall“ nur um Wissenschaft geht.

19.03.2017 Die WELT am Sonntag hat ein paar erhellende Fakten zum Fall publiziert:

„Vor kurzem sorgte eine juristische Beschwerde gegen eine wissenschaftliche Buchbesprechung für Aufsehen. Der Historiker Julien Reitzenstein hatte mithilfe der Pressekammer des Landgerichts Hamburgs juristische Einwände gegen die Rezension seiner Studie „Himmlers Forscher“ im Fachportal „H-Soz-Kult“ geltend gemacht („H“ steht für englisch „Humanities“, Geisteswissenschaften, und „Soz-Kult“ für Sozial- und Kulturgeschichte). Indirekt hat er damit bewirkt, dass die Rezension seiner Studie von der deutschen Portal-Seite verschwand; auf dem amerikanischen Server ist die Originalrezension bis heute erhalten.

Öffentlich wurde der Fall, der sich juristisch schon 2016 ereignet hatte, erst kürzlich. Nachdem die „Frankfurter Allgemeine“ berichtete, schwappte eine kleine Welle der Empörung durch die akademische Landschaft: „Ein schlechter Tag für das Rezensionswesen, wenn ein fachliches Urteil weggeklagt wird“, hieß es bei Twitter. „Wissenschaft lebt von freier Bewertung der von ihr erbrachten Forschungsergebnisse“, sekundierte der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands.

Auf den ersten Blick wirkt der Fall Reitzenstein tatsächlich wie ein Skandal für das Rezensionswesen, eine Ohrfeige für den wissenschaftlichen Diskurs.

Auf den zweiten hatte der rezensierte Historiker aber durchaus ein Anliegen, nämlich jenes, nicht öffentlich als Relativierer von NS-Verbrechen dazustehen.

Immerhin handelt es sich bei seiner Studie „Himmlers Forscher“ um eine Quellenforschung über rassemedizinische Verbrechen der Nazis. Das so genannte „Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung“ der SS experimentierte in Konzentrationslagern, testete Kampfgas an Häftlingen und brachte Menschen mit Methoden wie Eiswasser oder Unterdruck um.

Wenn eine Rezension dem Verfasser einer solchen Studie bescheinigt, auf die Darstellung bestimmter NS-Verbrechen verzichtet zu haben, und wenn sie ihm attestiert, allenfalls „ungewollt“ zu Ergebnissen im Sinne der wissenschaftlichen Aufklärung gekommen zu sein, dann kann das, wie der erfolgreich angestrengte Unterlassungsbeschluss zeigt, justiziabel sein.

Und teuer dazu: Im Fall der durch Reitzenstein erwirkten Verfügung fielen 2600 Euro Verfahrenskosten an. Von „Schmerzensgeld für Reputationsschäden“ sieht Reitzenstein vorerst ausdrücklich ab. Bei Twitter diskutierten sie in diesem Moment schon ironisch über „Rezensentenrechtsschutz“. (…)

Was in der Empörungswelle unterging: Reitzenstein hat den wissenschaftlichen Dialog sehr wohl gesucht. Allein, der Rezensent hat auf Reitzensteins Dialogersuchen nie reagiert – obwohl die beiden sich kannten, ja sogar per Du waren. Das wird deutlich anhand der E-Mail-Korrespondenzen, die der „Welt am Sonntag“ in voller Länge vorliegen und die Reitzenstein auszugsweise auch auf seiner Homepage geschichtsmanufaktur.eu veröffentlicht hat. (…)

Es war gewiss kein zeitlicher Zufall, dass Reitzensteins seit zwei Jahren erhältliches Fachbuch prompt jetzt seine erste Kundenrezension bei Amazon bekam. Natürlich eine negative. Ein Stern, das ist die Kategorie „miserabel“, so mies, dass Amazon sich in der Regel rückversichert: „Sind Sie sicher?“ Der „Amazon-Kunde“ war sich ganz sicher. Der einzige Satz, aus dem seine komplette Rezension besteht, ist durch die Nachrichtenlage inspiriert und lautet: „Der Autor verweigerte durch Klage vor dem Hamburger Landgericht die wissenschaftliche Debatte über seine Ergebnisse, die so nicht evaluiert werden können.“ Inzwischen – es lebe die Idee der Aufklärung – hat ein zweiter Kunde namens „Kant“ reagiert und dem Reitzenstein-Buch eine gefällige und ausführlich begründete Fünf-Sterne-Bewertung beschert, so dass unter dem Strich drei Sterne rangieren.“

18.03.2017 Eben gefunden unter der Überschrift „Thema: Autor Julien Reitzenstein geht gerichtlich gegen eine Rezension vor“ ein munterer Austausch von falschen Fakten:

„Ich finde das einfach unglaublich. Die Rezension wurde mittels Unterlassungserklärung inzwischen vom Netz genommen. Die Kosten für das Verfahren muss der Rezensent tragen.
Ich bin wirklich sprachlos.
Grüßle
Suse“

Woher Frau Suse die Fakten nimmt, dass die Rezension aufgrund einer Unterlassungserklärung vom Netz genommen wurde, ist wohl ihr Geheimnis. Gegen die Plattform gab es nie ein gerichtliches Vorgehen und es wurde niemals gewünscht oder gar gefordert, die Rezension offline zu nehmen – es wurde einzig vom Rezensenten gefordert, wenige unwahre Behauptungen zu entfernen, die nichts mit Meinung zu tun hatten. Wer will sich schon gern nachsagen lassen, dass er NS-Verbrecher relativiert und die Leiden der Opfer verschweigt? Vor allem, wenn das überhaupt nicht mit dem Buch übereinstimmt?

Weiter heißt es:

„Peinlich und ein Armutszeugnis für den Autoren. Mir geht es nicht in den Kopf, wieso man etwas veröffentlicht, wenn man mit (sachlicher!) Kritik nicht umgehen kann. Persönliche Beleidigungen wären ja ein anderes Thema.“

Recht hat der Forist – genau deshalb bin ich ja nicht gegen die schlechte Kritik des Rezensenten vorgegangen – wer das Buch liest, wird schon rasch merken, wes Geistes Kind die Rezension ist. Aber ist „NS-Verharmlosung“ nicht eine Beleidigung? Für jemanden, der seit Jahrzehnten an der Aufklärung von und der Erinnerung an NS-Gräuel arbeitet, ist es die wohl schlimmstmögliche Beleidigung, die Verbrechen an den Opfern im Buch nicht erwähnt zu haben – gerade weil diese Verbrechensschilderungen den Hauptteil des Buches bilden.

Wider besseres Wissen etwas zu behaupten, was gar nicht im Buch steht, dürfte kaum unter sachliche Kritik fallen – und NS-Verharmloser unter Beleidigung. Oder, liebe Foristen?

05.03.2017 In einer der Zuschriften vom heutigen Tage teilte mir Bernd D. mit:

„Bei amazon.de wird in einer Kundenrezension vom 22. Februar 2017 zu Ihrem Buch behauptet, und zwar schon unmittelbar an dem Tag, als der (…) Artikel (…) erschienen ist:
‚Der Autor verweigerte durch Klage vor dem Hamburger Landgericht die wissenschaftliche Debatte über seine Ergebnisse, die so nicht evaluiert werden können.‘
d.h. die wohl zuerst und vor allem durch den FAZ-Artikel losgetretene und/oder so richtig in Fahrt gebrachte Schmutzkampagne mit geschäftsschädigender „Schmähkritik und übler Nachrede“ (?) zeigt Wirkung und zieht Kreise.“

03.03.2017 Heute wurde ich auf folgende Fundstelle hingeweisen:

„Der Historiker Julien Reitzenstein hat wegen einer Rezension seines Buches den Anwalt auf das Fachblatt H-Soz-Kult gehetzt und es gezwungen, die Besprechung vom Netz zu nehmen.“

Geht hier ein Kalkül auf, dass undifferenzierter Web-Mob gar nicht mehr zur Kenntnis nimmt, dass es a) nie eine Klage und b) nie irgendein gerichtliches Vorgehen gegen H-Soz-Kult gab und zudem c) ich niemals verlangt habe, die Rezension offline zu nehmen?

01.03.2017 Der Archivar Klaus Graf unterhält mit Archivalia ein vielfrequentiertes Blog. Er vertritt begrüßenswerte Meinungen über Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit. Wenngleich im vorliegenden Einzelfalle kein Konsens vorliegt, ist doch seine folgende Einschätzung bemerkenswert:

„Um es klar zu sagen: Es ist ein Unding, dass Erwiderungen auf Rezensionen redaktionell bearbeitet werden. Seriöse Fachzeitschriften praktizieren meines Wissens eine solche Zensur nicht. Sie ist auch überhaupt nicht im Sinn eines wissenschaftlichen Diskurses.

Dass HSOZKULT in Tonfragen zensiert, habe ich selbst erfahren: […] Hätten sich Rezensent und Publikationsorgan vernünftig verhalten und das Gesprächsangebot des Autors aufgenommen, hätte die Eskalation vermieden werden können. Fehler gemacht haben beide Seiten: Der Autor hat völlig überzogen vor allem auf eine einzige – mit der Goldwaage gewogene – problematische Formulierung reagiert und völlig unnötigerweise Anwalt und Gericht bemüht, was auf eine übersteigerte Selbsteinschätzung deutet (manchmal muss man Kröten nun einmal schlucken). Rezensent und HSOZKULT hätten den ganzen Ärger (und die Kosten) durch Dialogbereitschaft vermeiden können. Und wenn man nicht bereit ist, die einstweilige Verfügung der berüchtigsten Pressekammer Deutschlands im Hauptsacheverfahren anzufechten, und stattdessen völlig unnötige Unterlassungserklärungen abgibt, sollte man sich fragen, wie sehr einem der freie wissenschaftliche Diskurs wirklich am Herzen liegt.“

Weshalb die Einstweilige Verfügung anerkannt wurde, statt Widerspruch einzulegen und dem Gericht zu belegen, dass deren Erlass unrichtig war, ist eine spannende Frage: Dann hätte der Rezensent dem Gericht im Hauptsacheverfahren belegen müssen, dass im Buch wirklich keine Verbrechen geschildert werden. In so einem Verfahren geht es im Kern jedoch nicht darum, wer etwas sagte oder nicht sagte. Es geht darum, ob das Gesagte so sehr unwahr und gleichzeitig ehrverletzend ist, dass es nicht mehr gesagt werden darf. Ansonsten ist ja alles durch die Meinungsfreiheit erlaubt. Und wenn das Gericht – oder auch die nächsten Instanzen zur der Auffassung kommen, dass die untersagte Falschbehauptung unwahr und ehrverletzend ist, bleibt das Ergebnis unverändert: Die Behauptung darf weiterhin nicht mehr aufgestellt werden – nur hat man dann nicht nur die Kosten des Verfügungsverfahrens am Halse, sondern auch die der nächsten Instanzen.

Insofern hat Herr Graf die Frage schon beantwortet: Man muss – gerade wenn man jemandem gerichtlich anerkannt Unrecht getan hat, muss man die Kröte auch mal schlucken. Man kann aber auch mit dem Füßchen aufstampfen und sein Fehlverhalten breit treten lassen.

Daher lade ich alle Leser ein, das Buch und die Rezension einmal zur Hand zu nehmen und sich selbst ein Urteil zu bilden.

28.02.2017 Wissenschaftler können sich nur mit Fakten befassen. Erkennen sie, dass ein Teil der Fakten zurückgehalten wurde, möglicherweise, um Ereignisse in ein bestimmtes Licht zu setzen, finden Sie das oft wenig seriös: Über die vielen zwischenzeitlich Nachrichten, die sich für gehässige Kommentare entschuldigt haben und ihre Gedanken über die Beteiligten geteilt haben, bedanke ich mich. Andere Kommentatoren des Falles nehmen zwischenzeitlich – nach Kenntnisnahme und Prüfung weiterer Fakten eine ausgewogenere Position ein. Heute veröffentlichte Ben Kaden auf libreas eine Ergänzung zu seinem ursprünglichen Artikel:

https://libreas.wordpress.com/2017/02/27/ergaenzung-julien-reitzenstein-hsozkult/

Eine gute Gelegenheit, alle Kritiker darin zu bestätigen: Juristische Auseinandersetzung statt wissenschaftlichem Dialog ist abzulehnen. Juristisch gegen Meinungen und Wertungen vorgehen zu wollen, wäre nicht nur unwissenschaftlich, sondern rechtlich auch kaum durchsetzbar. Gerade weil der Sachverhalt in diesem „Fall“ ein anderer war, ist dies eine gute Gelegenheit all die Empörten zu bestätigen: Wenn die beiden vorgenannten Punkte sich ereigneten, wäre ich aus voller Überzeugung mit empört.

26.02.2017 Auf der bekannten Plattform Liberas schrieb Ben Kaden:

„Julien Reitzenstein fand am Besprechungstext offenbar einiges unzulänglich. Diese Mängel schienen ihm gravierend genug, um die Ebene des fachlichen Disputs sofort zu verlassen und sowohl den Rezensenten wie auch die Herausgeber von H-Soz-Kult mit einer vom Landgericht Hamburg angesegneten Unterlassungserklärung zu konfrontieren.“

In seinem Beitrag verlinkte Ben Kaden auf verschiedene Kommentare von Lesern, so zitierte er Kommentare, die unter dem FAZ-Artikel von Lesern hinterlassen wurden. Hier zwei zur Auswahl:

„Bruderzwist in der Historikerzunft
Wer das töricht erscheinende Vorgehen des kritisierten Autors, der im Fach Geschichtswissenschaft an der Uni Düsseldorf promovierte, gegen den von der Redaktion bestellten und mit einem federführenden Redaktionsmitglied von H-Soz-und-Kultt eng verbandelten Rezensenten wirklich sachgerecht kommentieren will, muss zuerst und vor allem auf die erbittert und bis zur Grenze des wissenschaftlich Erträglichen geführte Fehde um das Buch des Düsseldorfer Geschichtsprofessors Christoph Nonn über Theodor Schieder (2013) hinweisen. Diese Auseinandersetzung wurde bereits vor einiger Zeit mit einer in einigen Zügen eigentlich nur schäbig zu nennenden Rezension bei H-Soz- und -Kult auf die Spitze getrieben. Für mich ist es deswegen durchaus verständlich, wenn auch letztendlich nicht unbedingt nachvollziehbar, sich der Deutungshoheit und dem Machtanspruch einer tonangebenden Lehrmeinung nicht in jedem Fall wehr- und widerstandslos einfach zu unterwerfen. Widerspruch allein genügt da nicht mehr!“

„Die junge Kollegin hat sich wahrscheinlich keinen Gefallen damit getan, diese Sache hier in der FAZ breit zu treten. Wie jeder gestandene Wissenschaftler weiss, können Rezensionen als Waffen im Gelehrtensteit eingesetzt werden, insbesondere wenn es darum, junge Wissenschaftler als Professoren zu verhindern. Ich arbeite nicht in diesem Fachbereich, habe aber so viele Bösartigkeiten erlebt, dass ich mich bei wirklich feindseligen Besprechungen immer frage, was dahinter steckt. Und das sollte jedem bösartig rezensierten Kollegen ein Trost sein. Die Leser sind nicht naiv und bilden sich eine eigene Meinung.“

In seinen Beitrag verlinkte Ben Kaden auch auf absurde Reaktionen auf twitter.

Selbst mir gänzlich unbekannte Menschen, die behaupten, sie hätten mich „kurzzeitig als Dozenten“ erlebt, bescheinigen mir via Twitter, dass ich kein sympathischer Zeitgenosse bin. Das wissenschaftliche Niveau dieser Twitterdebatte ist mehr als offensichtlich.

Ein anderer Twitterer schreibt:

„mir scheint es eher so, je kleinteiliger man gegen @hosozkult und Sören vorgeht, desto kostenträchtiger und also abschreckender“

Ein anderer tweet lautet:

„Und reizt mir nicht den #Reitzenstein, sonst schaltet er den Anwalt ein…“