Pressemeldungen zum Fall

Nachdem die Presse, nicht zuletzt nach den Erklärungen von Bundespräsident Steinmeier, viele Fakten zu Tage gefördert hat, wurden diese Berichte seit August 2017 auf www.causa-reitzenstein.com zusammengefasst und werden dort fortgesetzt.

19.04.2017  Der promovierte Jurist und Journalist, hat gründlich recherchiert, alle Beteiligten um Stellungnahmen gebeten und den „Fall“ ausgewogen und sachlich in einer großen Tageszeitung geschildert:

„[…] Bewertungen unterliegen der Meinungsfreiheit, falsche Tatsachenbehauptungen müssen korrigiert werden. Um diese Unterscheidung geht es auch im Fall einer Rezension von Sören Flachowsky. […] Dabei schrieb er: Bei der Betrachtung der Abteilungen von August Hirt und Sigmund Rascher verzichtet Reitzenstein mit Blick auf die Forschungslage auf eine eigene Darstellung der Verbrechen, was aber angebracht gewesen wäre.“ Da der Satz so verstanden werden konnte, der Autor habe Verbrechen von NS-Forschern unterschlagen, sah Reitzenstein seinen Ruf als Wissenschaftler in Gefahr. Auf seinen Antrag hin untersagte das Landgericht Hamburg diese Äußerung am 27.07.2016, weil sie falsch sei. […]

Flachowsky sagt heute: „Der vom Gericht kritisierte Satz war misslich formuliert, wurde aber meines Erachtens durch die sich gleich daran anschließenden Ausführungen in meiner Rezension relativiert.“ Heute würde er diesen Satz anders formulieren. […]

Nachdem diese Zeitung am 22.02.2017 über diesen Fall berichtete hatte, teilte uns Rüdiger Hohls, Professor an der Berliner Humboldt-Universität und Koordinator der Redaktion, seine Ansicht mit, dass es sich bei dem „verbotenen Halbsatz“ tatsächlich um eine „nicht zutreffende Tatsachenbehauptung handelt.“ […] Vor dem Hintergrund dieser Bewertung ist nicht nachvollziehbar, wie Hohls und sein Redaktionskollege Michael Wildt in ihrer eigenen Rezension zu Reitzenstein, die den bei H-Soz-Kult gelöschten Text von Flachowsky ersetzt und zudem über weite Strecken paraphrasiert, am Ende schreiben können: „Nach unserer Einschätzung entbehrt Reitzensteins gerichtliches Vorgehen gegen den Rezensenten jeder wissenschaftlichen Grundlage.“ […]“

Am 19.03.2017 schrieb Marc Reichwein in einer anderen großen Tageszeitung:

„Vor kurzem sorgte eine juristische Beschwerde gegen eine wissenschaftliche Buchbesprechung für Aufsehen. Der Historiker Julien Reitzenstein hatte mithilfe der Pressekammer des Landgerichts Hamburgs juristische Einwände gegen die Rezension seiner Studie „Himmlers Forscher“ im Fachportal „H-Soz-Kult“ geltend gemacht („H“ steht für englisch „Humanities“, Geisteswissenschaften, und „Soz-Kult“ für Sozial- und Kulturgeschichte). Indirekt hat er damit bewirkt, dass die Rezension seiner Studie von der deutschen Portal-Seite verschwand; auf dem amerikanischen Server ist die Originalrezension bis heute erhalten.

Öffentlich wurde der Fall, der sich juristisch schon 2016 ereignet hatte, erst kürzlich. Nachdem die „Frankfurter Allgemeine“ berichtete, schwappte eine kleine Welle der Empörung durch die akademische Landschaft: „Ein schlechter Tag für das Rezensionswesen, wenn ein fachliches Urteil weggeklagt wird“, hieß es bei Twitter. „Wissenschaft lebt von freier Bewertung der von ihr erbrachten Forschungsergebnisse“, sekundierte der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands.

Auf den ersten Blick wirkt der Fall Reitzenstein tatsächlich wie ein Skandal für das Rezensionswesen, eine Ohrfeige für den wissenschaftlichen Diskurs.

Auf den zweiten hatte der rezensierte Historiker aber durchaus ein Anliegen, nämlich jenes, nicht öffentlich als Relativierer von NS-Verbrechen dazustehen.

Immerhin handelt es sich bei seiner Studie „Himmlers Forscher“ um eine Quellenforschung über rassemedizinische Verbrechen der Nazis. Das so genannte „Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung“ der SS experimentierte in Konzentrationslagern, testete Kampfgas an Häftlingen und brachte Menschen mit Methoden wie Eiswasser oder Unterdruck um.

Wenn eine Rezension dem Verfasser einer solchen Studie bescheinigt, auf die Darstellung bestimmter NS-Verbrechen verzichtet zu haben, und wenn sie ihm attestiert, allenfalls „ungewollt“ zu Ergebnissen im Sinne der wissenschaftlichen Aufklärung gekommen zu sein, dann kann das, wie der erfolgreich angestrengte Unterlassungsbeschluss zeigt, justiziabel sein.

Und teuer dazu: Im Fall der durch Reitzenstein erwirkten Verfügung fielen 2600 Euro Verfahrenskosten an. Von „Schmerzensgeld für Reputationsschäden“ sieht Reitzenstein vorerst ausdrücklich ab.  (…)

Was in der Empörungswelle unterging: Reitzenstein hat den wissenschaftlichen Dialog sehr wohl gesucht. Allein, der Rezensent hat auf Reitzensteins Dialogersuchen nie reagiert – obwohl die beiden sich kannten, ja sogar per Du waren. Das wird deutlich anhand der E-Mail-Korrespondenzen, die der „Welt am Sonntag“ in voller Länge vorliegen und die Reitzenstein auszugsweise auch auf seiner Homepage geschichtsmanufaktur.eu veröffentlicht hat. (…)

Es war gewiss kein zeitlicher Zufall, dass Reitzensteins seit zwei Jahren erhältliches Fachbuch prompt jetzt seine erste Kundenrezension bei Amazon bekam. Natürlich eine negative. Ein Stern, das ist die Kategorie „miserabel“, so mies, dass Amazon sich in der Regel rückversichert: „Sind Sie sicher?“ Der „Amazon-Kunde“ war sich ganz sicher. Der einzige Satz, aus dem seine komplette Rezension besteht, ist durch die Nachrichtenlage inspiriert und lautet: „Der Autor verweigerte durch Klage vor dem Hamburger Landgericht die wissenschaftliche Debatte über seine Ergebnisse, die so nicht evaluiert werden können.“ Inzwischen – es lebe die Idee der Aufklärung – hat ein zweiter Kunde namens „Kant“ reagiert und dem Reitzenstein-Buch eine gefällige und ausführlich begründete Fünf-Sterne-Bewertung beschert, so dass unter dem Strich drei Sterne rangieren.“